Naturwissenschaft
Einige unfrisierte gedanken zur quantenphysik
© M. Fuxen 2010, hergesteltt mit dem programm "apophysis" (open source)
Über hundert Jahre sind vergangen, seit Max Planck das phänomen der quanten entdeckte. Ein anderes phänomen ist die tatsache, dass in der öffentlichkeit die quantenmechanik kaum spuren hinterlassen hat, obwohl sie breite anwendung in der modernen technik gefunden hat. Computer und laser sind zwei beispiele, die es ohne die entdeckung der quantenphänomene nicht gäbe.
Will man darüber sprechen, -was schwer genug ist-, wird man oft genug belächelt oder der esoterik verdächtigt. Das eindeutige ursache-wirkung-schema ist zu mächtig und im rahmen der klassischen physik auch so klar, dass alles andere als irreal erscheint. Wie soll man einem auch klar machen, dass es die beobachtung oder messung ist, die den sprung aus der potentialität in die wirklichkeit bewirkt (dekohärenz)?
Und was ist wirklichkeit, wenn die atome praktisch leer
sind?
Ein bild mag verdeutlichen, was gemeint ist (aus: Angier, a.a.o.,s.129):"Wäre
der Kern eines atoms ein basketball im erdmittelpunkt, wären die elektronen
kirschkerne, die in den äußersten schichten der erdatmosphäre herumsausten."
Aber: was bedeutet es, wenn ein Atom doch nicht ein system aus kern und elektronen ist,
sondern dass man diese nur dann findet, wenn man das atom zerstört? (zit. nach
Weizsäcker, a.a.O., S, 85)
Oder mit Schrödinger gesprochen:"Dem atom fehlt das allerprimitivste merkmal, an
das wir bei einem stück materie im gewöhnlichen eben denken. Manche älteren
philosophen würden, wenn ihnen der fall vorgelegt werden könnte, sagen: eure
neumodischen atome bestehen überhaupt aus keinem stoff, sie sind reine form."
aus: "Was ist ein Naturgesetz?", a.a.O.,S.135 f
Was ist wirklichkeit, wenn unser bewusster geist in einem körper aus einer unglaublichen anzahl geistloser atome besteht bzw. nicht besteht (s.o.)?
Was also ist der hintergrund von allem? Darüber möchte ich als nicht-physiker mir so ein paar gedanken machen.
Allerdings ist die vermittlung der quantenphysik, die ich zugegebener maßen mathematisch auch nicht so richtig begreifen kann, vor allem ein sprachproblem. Wir sind gewohnt, messbare realitäten zu beschreiben. Aber wir haben keine sprache für dinge dazwischen; "jein" ist für uns keine realiät, in der quantenphysik wohl.
Einmal voraus geschickt: mich
interessieren weder esoterik noch science fiction.- Ich finde es einfach
faszinierend, dass das gesetz von ursache und wirkung nicht mehr überall gilt,
dass die Grundlage von allem information sein soll, was ich mal meta-physisch
mit geist übersetze. Ja, dass überhaupt in der physik die ganzheit der objekte
in den blick kommt und dass die addition der teile noch lange nicht das ganze
ergibt, denn es hat eine völlig andere, neue bedeutung.
Mir scheint es keine platitüde zu sein, wenn wir feststellen, dass alles
mit allem zusammenhängt und dass das auch im universellen maßstab gilt.
Manchmal erscheint mir das, was an physikalischen theorien diskutiert wird, z.b.
die multiversen-theorie mehr science-fiction zu sein als seriöse wissenschaft,
nicht zuletzt, weil sie nicht
beweisbar ist. Und ist es nicht ein verkappter
materialismus, wenn Charon geistreich den geist in den elektronen verortet?
Das, was ich meine, könnte man vielleicht bildlich darstellen. Stellen Sie sich eine kerze vor. Das wachs ist der körper, der docht das gehirn, die flamme das bewußtsein. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar, ja sinnlos. Die Frage ist nur: wer zündet die kerze an?
"Nach allem, was sich mittels Wahrnehmung darüber ausmachen lässt, geht demnach das Bewusstsein in dieser unserer räumlichen Welt gespenstischer einher als ein Gespenst. Unsichtbar, unangreifbar, ist es ein Ding ohne jeden Umriss; es ist überhaupt kein „Ding“. Es bleibt unbestätigt durch die Sinne, und bleibt das für immer." - Sherrington, zitiert in: Was ist ein Naturgesetz?: Beiträge zum naturwissenschaftlichen Weltbild / von Erwin Schrödinger. - 5. Aufl. - München: Oldenbourg, 1997. (Scientia nova) - S. 67
Ein anderes problem ist die theorie, dass es, wie
vermutet, im universum viele planeten geben könnte, auf denen leben möglich wäre.
Zwar hat man bisher noch keinen Planeten gefunden, der diese bedingungen erfüllt; aber mit solchen vermutungen ist man
des interesses einer leichtglgäubigen öffentlichkeit sicher. (Manchmal kann man
den eindruck haben, das weltall habe für einige nur ein etwas größeres taschenformat.) Wenn man aber die
tatsache ernst nimmt, dass schon eine geringfügige änderung der
anfangsbedingungen
(10 ¯60) nichts, zumindest kein leben ermöglicht
hätte, kann man kaum von leben auf anderen planeten ausgehen. (Hier bin ich ein
verfechter des anthropisches
prinzips.)
Zur veranschaulichung die chance einmal ausgeschrieben:
0,00000000000000000000000000000000000000000000000000000000000001
Dazu
kommt, dass die dimensionen des universums unsere vorstellungskraft bei weitem
übersteigen. Faszinierend ist allerdings, dass die mathematik die dimensionen in
zahlen fassen kann und die quantenphysik unerhörte praktische technische
auswirkungen hat. Ob allerdings das mathematisch mögliche oder wahrscheinliche
immer "wirklich" ist, das ist eine ganz andere frage. Erstaunlich ist, dass man
eine berechnung, die gegen unendlich geht, zwar irgendwie für falsch hält,
andererseits aber unendlich viele universen für möglich hält.
Letzten Endes sind die philosophischen
konsequenzen noch zu wenig bedacht. Munter benutzt man die gesetze der quantenmechanik, ohne sich
allzu viele
gedanken über die dahinter verborgene wirklichkeit zu machen, so wie man sich
der energie bedient, ohne eigentlich zu wissen, was das wirklich ist. Ein
solcher standpunkt ist zwar akzeptabel und praktikabel, aber unbefriedigend.
Es ist allerdings ebenfalls zumindest unbefriedigend bzw scharlatanerie, wenn
daraus schlüsse z.b. in puncto esoterik oder telepathie gezogen werden. Dennoch scheint es mir
wichtig, die philosphische frage zu stellen: was ist die wirklichkeit, die
meta-physische frage also.
Nils Bohr hat für die tatsache, dass ein elektron - und nicht
nur das - sowohl welle als auch teilchen sein kann. den begriff der
komplementarität geprägt (wie die zwei seiten einer münze).
Wenn es nun auf einer sehr tiefen ebene materie im sinne eines objektes nicht
gibt, was dann?
Könnte es nicht sein, dass geist und materie im komplementären sinne zwei seiten
einer medaille sind? Materie als quasi "geronnener geist"? Oder für den, der es
weniger "geistvoll" haben möchte, "geronnene information"? Irgendwo müssten
ja formgesetze angesiedelt sein, damit formen überhaupt entstehen können.
Vielleicht sind gedanken formen des geistes, die wir dann manchmal in die
materielle wirklichkeit umsetzen?
"Die trennung der zwei - materie und geist - ist eine abstraktion" (David Bohm)
"Relativitätstheorie und
quantentheorie (stimmen) doch beide in der notwendigkeit überein, die welt als
ein ungeteiltes ganzes anzuschauen, worin alle teile des universums
einschließlich dem beobachter und seiner instrumente zu einer einzigen totalität
verschmelzen und sich darin vereinigen. In dieser totalität stellt die
atomistische ansicht eine vereinfachung und abstraktion dar, die nur in einem
beschränkten rahmen gültig ist. Die neue ansicht kann man vielleicht am besten
als <ungeteilte ganzheit in fließender bewegung> bezeichnen.
In diesem fließen sind geist und materie keine voneinander getrennten
substanzen, sondern vielmehr verschiedene aspekte einer einzigen ganzen und
bruchlosen bewegung. Auf diese weise können wir alle erscheinungsformen des
daseins als nicht voneinander getrennt ansehen, und damit können wir der
fragmentierung ein ende setzen, die in der derzeitigen einstellung zum
atomistischen standpunkt angelegt ist, der uns dazu führt, gründlichst alles von
allem zu trennen." (David Bohm in "Physik und Tranzendenz", S.275, a.a.o.)
(wird fortgesetzt)
siehe auch "Vom Hintergrund der Wirklichkeit"- Gespräche über Naturwissenschaft und Religion
-folgt in kürze

elektronenwolke © M. Fuxen 2011
(siehe auch die seite
computerbilder)
(siehe auch
zitate)
Literatur
Angier, Natalie "Naturwissenschaft", München 2010
Bergmann, Martin "Wie aus Chaos Geist
entsteht", München 1996
Charon, Jean E. "Der Geist
der Materie", Paul Zolnay-Verlag,
Aufl.1979
Chown, Marcus "Warum Gott doch würfelt", München 2007
Close, Frank "Luzifers Vermächtnis", München 2002
Davies, Paul "Sind wir allein im Universum?", Bern 1989
Dürr, Hans-Peter "Geist, Kosmos und Physik", Amerang 2010
Dürr, Hans-Peter "Auch die Wissenschaft spricht nur in Gleichnissen",
Freiburg 2004
Dürr, Hans-Peter (Hrsg.) "Physik und Transzendenz", München 1989
Dürr/Zimmerli "Gest und Natur", München1989
Dürr/Oesterreicher "Wir erleben mehr als wir begreifen", Freiburg 2010
Eccles, John C. "Wie das Selbst sein Gehirn steuert", Serie Piper 1996
Fischer, Ernst Peter "Brücken zum Kosmos" ( über W. Pauli), Libelle-V.,
o.J.
Fischer, Ernst Peter "Schrödingers Katze auf dem Mandelbrotbaum",
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Görnitz, Thomas "Quanten sind anders", München 2006
Görnitz, Thomas u. Brigitte "Der kreative Kosmos", Spektrum Akademischer Verlag
2002
Greene, Brian "Der Stoff, aus dem der Kosmos ist", München 2008
Greenstein, George
"Der gefrorene Stern", Düsseldorf 1985
Hey;T.u. Walters,P. "Das
Quantenuniversum",
Spektrum Akademischer Verlag 1998
Heisenberg, Werner "Quantentheorie und Philosophie", Reclam 9948, Jg. 2000
Heisenberg, Werner
"Der Teil und das Ganze", München 1969
Klein, Stefan
"Wir alle sind Sternenstaub", Frankfurt 2010
Laszlo, Ervin
"Kosmische Kreativität", Insel-TB 2108, 1997
Lesch, Harald
"Quantenmechanik für die Westentasche", München 2007
Prattico, Franco
"Leben - eine unerhörte Begebenheit", Stuttgart 1991
Röthlein, Brigitte
"Die Quantenrevolution", München 2004
Sallhofer, Hans H.
"Sackgasse Quantenphysik", München 2000
Schäfer, Lothar
"Versteckte Wirklichkeit", Stuttgart 2004
Schrödinger, Erwin "Geist und Materie", Paul
Zolnay-Verlag, Aufl.1986
Schrödinger, Erwin "Was ist ein Naturgesetz?", München 2008, 6.Auflage
Sherrington, Charles "Körper und Geist", Bremen 1964
Weizsäcker, C.F. von "Die Sterne sind glühende Gaskugeln und Gott ist
gegenwärtig", Herder 1992
Zeilinger, Anton "Einsteins Schleier", München 2003
Videos
Vortag von Prof.
Dürr; http://www.privatseiten.info/?p=295
(ca. 75 min)
Rätselhafte quantenwelt
http://www.veoh.com/collection/bugrogers/watch/v15492354fjFSZQnY
( ca. 20 min)
siehe auch "zitate"