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D.K.:
Du hast deine homepage neu gemacht. Warum?
M.F:
Ich habe sie etwas gestrafft; einige bilder, die mir nicht mehr
gefielen, sind rausgeflogen. Zudem habe ich einige neue akzente gesetzt.
Wenn man neugierig ist, entdeckt man immer etwas neues. Ich denke
da besonders an den bereich der naturwissenschaft.
D.K.:
Darauf wollte ich später noch zu sprechen kommen. Bleiben wir doch erst
mal bei der kunst. Was fasziniert dich so an Beuys?
M.F.:
Der war damals so ganz anders. Er war mit haut und haaren künstler und
hatte eine unglaubliche sensibilität für die poesie des alltäglichen,
wie ich das mal nennen würde. Er war auch ein großer schamane in dem
sinne, dass er hinter die dinge blickte und eine ungeheure ausstrahlung
besaß.
D.K.:
In deiner mini-vita steht, dass dich die alten meister auch
beeindrucken. Wieso eigenlich, da deine bilder sehr oft abstrakt sind.
M.F.:
Es sind vor allem die farbigkeit und die komposition, wobei beides
übrigens auch für abstrakte bilder gilt. Tief beeindruckt mich Grünewald. Ich war schon mehrmals in
Colmar, um mir den Isenheimer Alter anzusehen. Eine unglaubliche
farbtiefe - ganz zu schweigen von der intensität der darstellung! Oder ich denke an Willem Kalf, dessen stillleben Goethe so
beeindruckt haben, dass er lieber das Bild mit dem goldenen pokal haben
wollte als den goldenen pokal selber. Drei seiner stillleben habe ich
gemalt, weil ich einfach mal wissen wollte, wie man so etwas malt.
Faszinierend die lichtreflexe - einfach nur ein kleiner weißer punkt,
und fertig.
D.K.:
Auf deiner homepage zeigst du auch einige Computerbilder, wie du sie
nennst. Welchen stellenwert haben die denn?
M.F.:
Eigentlich entstand das aus der beschäftigung mit der chaostheorie. Bei
der recherche im internet bin ich dann zufällig auf das
freeware-programm "apophysis" gestoßen. Und da habe ich dann gemerkt,
dass man damit ziemlich interessante sachen machen kann. Dazu kommt die
beschäftigung mit der quantenphysik,
die mich tief beeindruckt hat: eine neue sicht von dem, was wirklich
ist.
D.K.:
In kaum einem deiner bilder findet man die farbe grün.
M.F.:
Ich liebe die verschiedenen grüntöne in der natur, vor allem im frühling;
aber als farbe mag ich grün nicht. Warum, weiß ich auch nicht.
D.K.:
Was ist eigentlich mit deinem atelier?
M.F.:
Das war bzw. ist eigentlich eine notlösung. Mein altes atelier in der
Becherstr. war einfach zu feucht. Die bilder haben sich teileise
verbogen. Da ergab sich die chance, in dem alten pfarrhaus kostengünstig
eine vorübergehende bleibe zu finden, bis das haus abgerissen wird.
Hoffentlich halten die finanzierungsprobleme noch lange an, und da die
kirche ja in jahrtausenden denkt, ....
D.K.:
Warum bist du nach dem abitur nicht an die kunstakademie gegangen?
M.F.:
Ich habe tatsächlich mein abitur vor allem in kunst gemacht. Ich habe
ein bild gemalt und durfte es dann den prüfenden herrschaften erklären.
Aber zurück auf deine frage: ich habe mich einfach damals nicht getraut.
D.K.:
Du hast dann fast 40 jahre in schule gemacht.
M.F.:
Ob du es glaubst oder nicht: ich bin immer gerne in die schule gegangen.
Und ich habe auch immer kunstunterricht gegeben, auch als ich nachher
schulleiter war. In puncto kunst ist mir eine begebenheit in guter
erinnerung geblieben.
Mit einer kunstgruppe haben wir abstrakte bilder gemalt, d.h. wir haben
mit farbe gespielt und zwar großformatig, ich glaube 100x100. Es war
eine gruppenarbeit. Als das bild nach allgemeiner meinung fertig war,
habe ich die schüler gefragt, wie herum man es denn aufhängen könnte.
Zuerst war allgemeine ratlosigkeit. Dann wurde das bild in alle
möglichen positionen gedreht. Schließlich waren sich alle einig: so
herum muss es hängen. Nun fragte ich die schüler, warum sie sich so
entschieden hätten. Man höre und staune: sie argumentierten mit formalen
kriterien. Ich will das hier nicht weiter ausführen; aber du kannst dir
vorstellen, dass mich das sehr beeindruckte.
D.K.:
Eine ganze seite deiner homepage beschäfigt sich mit der quantenphysik.
Was hat das mit kunst zu tun?
M.F.:
Zuerst mal gar nichts - oder vielleicht doch: die quantenphysik ist
genau so abstrakt wie meine malerei. Ich erkläre meine bilder
nicht, so wie ich auch die quantenphysik nicht anschaulich erklären kann. Ich
gehe da phänömenologisch ran und bin von den schlussfolgerungen tief
beeindruckt. Ich habe das eben ja schon mal angesprochen. Das ist eine
meta-physik der besonderen art.- Ich bin als maler ja
auch ein mensch, der nicht nur den pinsel schwingt, sondern auch wissen
will, was die welt im innersten zusammenhält - mal ganz bescheiden
formuliert. Ich glaube allerdings der wissenschft noch lange nicht
alles, was sie verkündet . Man braucht ja nur mal 100 oder 200 Jahre
zurückzugehen, um festzustellen, was da alles für physkalischer unsinn
verzapft wurde. Aber die welt ist viel geheimnisvoller als wir sie uns malen.
Für mich ist jedes bild ein geheimnis.
D.K.:
Einen breiten raum nimmt bei dir auch die literatur ein.
M.F.:
Jedes leben hat etwas romanhaftes. Nur schreibt es selten jemand auf,
denn das muss man können. Mich reizen texte, die dem lesen widerstand
entgegensetzen. Das beugt der flüchtigkeit vor. Und alle autoren meines
quintetts sind solche typen, jeder auf seine weise. Manchmal habe ich
das bedürfniss, einen schönen text einfach abzuschreiben. Man hat dann
einen direkteren bezug zum wort und kann besser darüber nachsinnen.
D.K.:
Zum schluss noch eine persönliche frage. Du schreibst, dass du eine
schöne trümmerkindheit gehabt hast. Ist das so wichtig für dich?
M.F.:
Ja, das ist für mich wichtig. Hier konnte ich frei und chaotisch sein
und kreativ. Wer das in seiner kindheit nicht konnte, dem fehlt etwas
auf dauer. Wo haben die kinder von heute diese grandiose freiheit?
Nicht, dass ich trümmer zurückwünsche. Aber diese kanalisierte kindheit
heute finde ich schrecklich. Übrigens: ich bin in Düsseldorf-Oberbilk
geboren, dort wo Dieter Forte - ich glaube, er ist in etwa mein jahrgang-
seine trilogie geschehen lässt. Es ist, als sei ich dabei gewesen.
D.K.:
Vielen dank für das gespräch.
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